Am Donnerstag, dem 20. März 2015 nahm die kenianische Schwester Purity Kanja, die an einem internationalen Leitungstreffen der Schwestern in Dernbach teilnahm, die Gelegenheit wahr, auch die Marienschule zu besuchen. Wie schon ihre Mitschwester Pacilisa einige Monate zuvor, wollte sie sich für die langjährige Unterstützung der kenianischen Niederlassungen der Armen Dienstmägde Jesu Christi durch die Martinsaktionen der Marienschule bedanken und über die Verwendung der Gelder berichten.

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Da Sr. Purity nur Englisch spricht, war eine sinnvolle Begegnung mit Schülerinnen und Schülern der Marienschule nur in der Oberstufe möglich. Die Einladung zu einer gemeinsamen Religionsstunde ging daher an die Schülerinnen der Q2 mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. Zu deren Vorbereitung hatte Sr. Purity ihre Biographie geschickt, die Herr Dr. Breunig durch einige Bilder von den Einsatzorten der Schwestern in Kenia ergänzt und den Kurslehrern in der folgenden Version zur Verfügung gestellt hatte:

I am Sister Purity Kanja from Kenya. I am the first born from a family of five children: One boy and four girls.
I joined the Family of the Poor Handmaids of Jesus Christ the year of 2004. In 2009 I made my First Profession and this year, the 24th of January, I took my Final Vows. My parents are happy to see me living the call I choose.
After my First Profession I was sent to work in the “Caring Place” where we rehabilitate street children (boys). After one year of serving these children I was sent to school, where I studied Community Health and HIV Management. After two years of my studies, I was brought back again as the cottage mother of these children and till now, I am serving them.
At the end of each day, I feel happy and fulfilled to have served these children equally.
Since July 2013 I am member of the Kenyan Pro-Regional Leadership Team. I am responsible for formation.

The first P.H.J.C. Sisters came to Kenya in the year of 2000. Since then many women from the locality saw the exemplary way of living from the sisters and many admired this way of life, me being one of them.
We are now eleven Kenyan sisters and this year, we will be fourteen. We live the charism and the spirituality of our Foundress, Blessed Mother Mary Katherine Kasper.
Our missions in Kenya are: serving in the hospital, in school and in the “Caring Place”, the home for the street children.
In our hospital “St. Ann” we serve all kind of people, poor and rich. We thank God and specially the people of good will who support poor people who are always coming to our hospital.
In our school St. Francis – day school and boarding school – we have single classes from baby class – comparable to your “Kindergarten” - to eigth standard. We have one dormitory for each gender.
Now as our school is the best in the county, many parents are bringing their children to this school. There are approximately 350 children in the school.
The challenge for us is the lack of class-rooms, dormitories and enough teachers.
In the “Caring Home” we have a rehabilitation center for street children. There are 41 children in different class levels. We take these children from the streets. After receiving them in the home, we council them and explain to them the meaning of education. They all accept the transformation from their old way of living to a new way.
A majority of these children are toping in the various schools where they are studying.
This home depends totally on donations, as we have no source of income, but we have to feed and to clothe them and to give them a possibility to study.

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St. Joseph’s Caring Place ist ein Heim für Straßenkinder und Aidswaisen.

Das Heim wurde in den Jahren 2007 und 2008 aus den Mitteln der Martinsaktion unterstützt.

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Die junge SV und die beiden ersten Jungenklassen der Marienschule sammelten in den Jahren 2011 und 2012 gebrauchte Fußballschuhe und schickten sie nach Mitunguu.

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Das St Ann Hospital ist ein öffentliches Krankenhaus und wird seit einigen Jahren von den Schwestern der Armen Dienstmägde Jesu Christi geleitet.

Im letzten Jahr war Sr. Pacilisa, die in diesem Krankenhaus arbeitet, zu Gast in der Marienschule.

Die Marienschule hat das Krankenhaus in den Jahren 2007 bis 2013 mit jeweils der halben Martinsspende unterstützt.

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Neben einem Sonographiegerät, der Ausstattung eines Krankenwagens und eines kleinen Operationssaales wurden Beihilfen zur Beschaffung von Medikamenten und grundlegenden Materialien gegeben.

Im letzten Jahr wurde die Herzoperation eines kleinen Jungen in einer Klinik in Nairobi finanziert.

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Die „St. Francis School“ in Mitunguu erhielt in den Jahren 2004 – 2006 die Unterstützung durch unsere Martinsaktion.

Mit diesen Geldern wurden die Räume saniert und grundlegende Materialien für die Schule angeschafft.
Weitere Gelder erhielt die Schule durch unsere Vermittlung aus einem Wohltätigkeitsbasar der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Pricewaterhouse Coopers“ in Frankfurt.

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Da die Schülerschaft von St. Francis bei den staatlichen Prüfungen regelmäßig Bestnoten erzielt, ist die Schule sehr begehrt und viele Schülerinnen und Schüler müssen abgelehnt werden.
Die Schwestern planen einen Anbau, den wir mit unserer diesjährigen Martinsspende unterstützen werden.

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In der ihr eigenen lebendigen Art berichtete Sr. Purity von ihrer Arbeit als „Cottage mother“ im Waisenhaus „St. Joseph’s Caring Place“. Als größtes Problem schilderte sie die Eingliederung der meist traumatisierten Jungen, die oft ihre Eltern durch Aids verloren hatten und sich danach als Straßenkinder durchschlagen mussten. Das Waisenhaus wird von keiner Seite unterstützt und ist fast völlig auf Spenden angewiesen. Lediglich eine Hühnerhaltung und einige weitere Haustiere sowie ein Garten sichern die Grundversorgung und erbringen einige Überschüsse, die auf dem Markt verkauft werden können. So bescheiden diese Verhältnisse für uns auch klingen, für diese Jungen bedeuten sie die Chance ihres Lebens, da neben den täglichen Bedürfnissen auch für die Ausbildung der Jungen gesorgt wird und sie somit vor Hunger, Krankheiten und einer kriminellen Karriere bewahrt werden.
Da Sr. Purity auch zum Leitungsteam der Armen Dienstmägde in Kenia gehört, konnte sie auch von der „St. Francis School“ in Mitunguu und dem „St. Ann Hospital“ in Igojii mit vielen beeindruckenden Details berichten. Alle drei Einrichtungen wurden durch die Martinsaktionen der letzten 10 Jahre mit ca. 100.000 € unterstützt. Dies ist für kenianische Verhältnisse ein Betrag der nicht nur für die betroffenen Kinder und die kranken Menschen eine große Hilfe darstellte, sondern durch die unterstützten Baumaßnahmen die heimische Wirtschaft in Mitunguu und Igoji förderte.
Sr. Purity berichtete, dass die kenianischen Schwestern Gott jeden Tag für die Unterstützung aus Deutschland danken und die Mitglieder der Schulgemeinde der Marienschule in ihr Gebet einschließen.

Die Moderation des Gesprächs mit Sr. Purity hatte dankenswerterweise Jutta Renner übernommen, die auch bei Verständnisproblemen einige Passagen des Vortrags übersetzte. Viele Detailfragen der Schülerinnen zur Arbeit und den Lebensverhältnissen in Mitunguu und Igoji wurden von Sr. Purity sehr ausführlich und temperamentvoll beantwortet.

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Während des Gesprächs mit Sr. Purity spürte man, wie beeindruckend sowohl ihre informativen Ausführungen als auch die Einstellung der Schwester zu den gravierenden Problemen in ihrer Heimat für die Schülerinnen und die anwesenden Lehrerinnen waren. Dies drückte eine Schülerin mit der Zustimmung aller Anwesenden aus, indem sie ihr für das tägliche Gebet für die Marienschule dankte und ihre Bewunderung für die Schwestern zum Ausdruck brachte.
Zum Schluss der Veranstaltung lud Sr. Purity die Schülerinnen ein, in Mitunguu oder Igoji ein Praktikum abzuleisten, um dort ihre Arbeit zu unterstützen. Sr. Julia, die die Hilfe für die kenianischen Schwestern von Deutschland aus koordiniert, berichtete, dass bisher drei ehemalige Marienschülerinnen diese Gelegenheit wahrgenommen hatten und bot an, entsprechende Kontakte herzustellen.
Dr. Breunig informierte über die Martinsaktion 2014/15, die auf einstimmigen Beschluss der SV Gremien vollständig dem Bau von vier Klassenzimmern der „St. Francis School“ Mitunguu zu Gute kommt. Die Martinsaktion sei zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber schon jetzt sei absehbar, dass noch nie ein so hoher Betrag zusammengekommen sei. Er dankte insbesondere dem Jahrgang Q2, da alle Tutorengruppen sehr engagiert beteiligt waren und über den Einsatz in der Tutorengruppe hinaus noch Schülerinnen des Mathe LKs(Dr. Breunig) bei einer Diözesanversammlung in der Marienschule für die Bewirtung der Gäste gesorgt hatten.
Dr. Hans Paul Breunig, Fotos: Sr. Julia Dillmann