2015 Hungertuch

Gold

Vier Farben hat unser Hungertuch. Gemalt hat es Dao Zi Professor für Kunstgeschichte und chinesischer Künstler, der sich mit christlich biblischen Motiven auseinandersetzt. Er hat nur vier Farben verwendet: Gold, schwarz, grau und rot. Diese Farbpalette wird uns durch die Fastenzeit begleiten. Wir betrachten das Hungertuch zunächst als Ganzes

Befremdlich
fremd
was
ist das?

Was hat denn das
mit mir zu tun?

Mächtig
aufdringlich
gold
schwarz grau
und ein wenig rot
ein klares Bild
zerknittert
kantig
hier und da die geschwungene Linie
Goldflecken
sinken ins Nichts
fremdes Bild aus fremdem Land

Kann es gelingen
das Befremdliche auszuhalten
das Befremdliche
befreunden?

Die Farbe Gold dominiert. Golden strahlt die Mitte. Sie symbolisiert für Dao Zi Licht, Transzendenz und göttliche Macht Es hat massive Strahlkraft. Da ihm Feuer und Rost nichts anhaben können, wurde Gold zum Zeichen für Ewigkeit, Schönheit und Herrlichkeit. In der christlichen Kunst dient es oft zur Darstellung von Heiligenscheinen und Ikonen. Auch Monstranzen und Behältnisse für Reliquien werden aus dem Edelmetall hergestellt oder mit ihm verziert. Gott ist Gold!

Das Hungertuch birgt im Zentrum einen goldenen Stein.

Steinreich zu sein heißt,
viel Gold zu besitzen.
Besitzen kann man Reichtümer,
aber ist man wirklich reich?

Die große Fläche auf dem Hungertuch steht für das Göttliche, die sieben kleinen Steinchen stehen dafür, was Gott uns allen zur Verfügung gestellt hat: die sieben Tage der Schöpfung und die sieben Wochen des Fastens bis zur Osterzeit. Gott nah oder fern?

Vom Fasten (Mt 6, 16-20)

16 Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. 20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

In der Fastenzeit kannst Du Dir darüber klar werden:

Wie viel Gold ist in meinem Leben?

Welche Schätze sammle ich?

Wie leben wir?

Wie wollen wir leben?

„Reich sein“ und „Reich Gottes“: Wie hängt das zusammen?

Ich glaube, dass du mehr hören willst als die Glücksverheißungen der Geldhändler und das Flüstern der Spekulanten, das den Hunger auf die Erde legt. Ich glaube, dass du auch unsere Lieder vernehmen willst und das widerständige Wort, das am Hoffen hält.

Ich glaube, dass du mehr sehen willst, als die Fingerzeige der Börsenmakler und das Krümmen der Rücken, das die Lasten hebt. Ich glaube, dass du auch unsere Tänze schauen willst und den aufrechten Gang, der in die Freiheit führt.

Ich glaube, dass du mehr fühlen willst als das Drängen des Wettbewerbs und das Kreisen der Ängste, das nicht mehr schlafen lässt. Ich glaube, dass du auch unser Glück spüren willst und die atmende Freude, die die Liebe nährt.

Segne Gott,
die goldenen Schätze,
die wir in uns tragen,
verborgen und doch da.

Geh mit uns auf die Suche nach ihnen
lass uns werden,
ganz neu.

Segne Gott,
die goldenen Schätze,
die wir an andere weitergeben
Wertvoll und doch nicht mit Geld zu bezahlen.

Amen

Hungertuch1