Wundervolle Weihnachtsmusik

Nassauische Neue Presse, 15.12.2014

Von Anken Bohnhorst-Vollmer

Die Marienschüler luden zu ihrem diesjährigen Adventskonzert – und sehr viele Gäste kamen am Freitagabend in den Dom, um ein feierliches Konzert mit vielen traditionellen Werken und einigen Überraschungen zu hören.

Ein schöneres Kompliment kann es für den musikalischen Leiters eines Schulkonzerts nicht geben: „Auch wenn am Anfang nicht immer alles klappt – am Ende kommt was Gutes raus“, bedankte sich eine Marienschülerin bei Musiklehrer Christoph Pabst für dessen Engagement für das diesjährige Adventskonzert.

Der Lehrer blieb in seiner Freude dennoch eher zurückhaltend. Dabei hätte er an diesem Abend einen Luftsprung machen können, weil die von ihm geleitete Veranstaltung feierlich, fröhlich und jedenfalls gelungen war. Sieben Ensembles der Marienschule hatten sich beteiligt und den Dom am Freitagabend für mehr als zwei Stunden abwechslungsreich beschallt, etwa mit einer gefällig gesetzten, festlichen Intrada über „Nun komm der Heiden Heiland“, mit dem das Blechbläserensemble die Gäste begrüßte. Die Stimmen von Trompeten, Hörnern sowie vom tiefen Blech hatte Christoph Pabst so arrangiert, dass die Register sich sehr nuanciert übereinanderlegten, ohne einander zu verdrängen.

Ein ähnliches Klangerlebnis, wenn auch mit wesentlich gewaltigerem Volumen, präsentierte auch die Concert Band, deren Namen die Nähe zu moderner, fetziger Musik suggerieren mag. Tatsächlich hatte auch dieses Ensemble ein ausgewogenes, überwiegend konventionelles Programm mit kleinen, wunderbaren Überraschungseffekten vorbereitet. So hatte Pabst beispielsweise „O Heiland, reiß die Himmel auf“ zu einer dynamischen Sensation arrangiert, die den vor dem Dom tobenden Sturm mit Leichtigkeit weggeblasen hätte. Hier spielten fabelhafte Streicher, Bläser, zwei temperamentvolle Schlagzeuger und ein Organist dem Heiland ein atemberaubend kraftvolles Loblied. Dass sich die Marienschülerinnen hier in allen Registern externe Verstärkung geholt hatten und auch die sehr jungen Schülerinnen der Bläserklassen mitspielen ließen, beweist den musikalischen Anspruch des Orchesters. Dessen Dimension unterstrichen die Musiker auch mit Ludwig van Beethovens „Die Himmel rühmen“, das Orchesterleiter Pabst zu einem dramatisch bombastischen Werk umgearbeitet hatte.

Ebenso schwergewichtig waren die Arrangements für das Symphonische Blasorchester, das sich mit einem beinahe erdrückend voluminösen „Es kommt ein Schiff geladen“ und einer traumhaft gespielten Sarabande von Georg Friedrich Händel zeigte. Diesem Ensemble war offenbar die Aufgabe zugefallen, ausschließlich schwere Kost zu servieren. Denn auch Anton Bruckners „Ecce Sacerdos“ ist ein wuchtiges, nicht jedem eingängiges Werk, das hier souverän präsentiert wurde. Virtuos war auch das Streichorchester, das das sehr bekannte und daher möglicherweise nicht mehr ganz so mitreißende „Greensleeves“ sowie Händels zartes „Largo“ vorbereitet hatte.

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Einen weiteren Glanzpunkt des Konzerts setzte der Chor der fünften Klassen, der von einem Instrumentalensemble unterstützt wurde. Auch hier hatte Christoph Pabst breit angelegte, angenehme Arrangements erarbeitet, zum Beispiel bei John Rutters „Ave Maria“ oder beim traditionellen „Maria durch ein Dornwald ging“. Am zauberhaftesten waren die Mädchen aber bei ihrer Version von „Hört, es klingt und singt mit Schalle“. Wie kleine Schneeflöckchen wirkten die Sängerinnen, und man hätte sich vorstellen können, wie sie in diesem Walzerrhythmus hätten herumwirbeln können, wären sie nicht im ehrfurchtgebietenden Altarraum untergebracht gewesen – und hätten sie nicht einen so streng wirkenden Chorleiter. Denn die Musik von Christoph Pabst braucht keine Choreografie als Beiwerk.

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Ebenfalls sehr souverän präsentierte sich das einzige nicht von Christoph Pabst geführte Ensemble, der von Carola Opitz geleitete Oberstufenchor. Dessen Mitglieder sangen die traditionelle, aus dem 17. Jahrhundert stammende Fassung von „O Heiland, reiß die Himmel auf“ sowie Mendelssohn-Bartholdys „Hebe deine Augen auf“. Als Solistinnen müssen hier Marie Runge, Antonia Michel und Judith Schneider erwähnt werden, die kraftvoll und dabei völlig unangestrengt wirkend und sehr souverän auftraten.

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Hier hören Sie eine Aufnahme aus der Darbietung des Oberstufenchores

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Zum Abschluss dieses gelungenen Konzerts erlebten die Zuhörer den sympathischen Katharina-Kaspar-Chor, eine Gruppe guter Sänger aus der aktuellen Schulgemeinde, aus früheren Jahrgängen sowie aus den bunten Reihen Musikbegeisterter. Begleitet wurde der Chor von einem Instrumental-Ensemble, dessen Musiker leider sehr versprengt in den überwiegend leeren Reihen des Orchesters saßen. Mit „Salve Regina“ und einer beeindruckend vorgetragenen „Weihnachtshymne“ von Mendelssohn-Bartholdy sorgte dieser Chor für ein klangvolles Finale. Der musikalische Leiter Christoph Pabst hätte jubilieren müssen.

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Fotos: Dr. Hans Paul Breunig