Die „Roratemessen“ im Advent

Zu den schönsten und in der katholischen Bevölkerung beliebtesten Gottesdiensten während der Adventszeit gehören die sogenannten „Roratemessen“. Bei diesen Liturgien handelt es sich um eine morgendliche Eucharistiefeier, welche als Marienmesse im Advent gefeiert wird. Die ersten drei Wochen der Adventszeit haben die endgültige Wiederkunft Christi zum eigentlichen Thema, was sich gerade in den Texten der Gottesdienste widerspiegelt. Um dennoch schon in diesen Adventstagen einen kleinen Freudenschimmer der Weihnacht aufleuchten zu lassen, feiert die Kirche nun die Roratemesse, in deren Vollzug der Zelebrant nicht das im Advent übliche violette Gewand trägt, sondern eine festliche weiße Casel.

Die Roratemesse hat ihren Namen vom Eröffnungsruf („Introitus“) der Messfeier: „Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum“ – „Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten“ (Vgl. Jes 45,8). Dieser Ruf oder ein entsprechendes Kirchenlied wird daher zu Beginn von der Gemeinde gesungen.

Einen besonderen Charakter erhält diese Messe dadurch, dass sie am frühen Morgen, noch vor Anbruch der Morgendämmerung, gefeiert wird. Auf elektrisches Licht wird in den Kirchen verzichtet, der Kirchenraum selbst wird nur von Kerzenlicht erhellt, das den Bann des bedrohlichen Dunkels brechen soll. So wird die Atmosphäre dieses Gottesdienstes zum Symbol der herannahenden Weihnacht: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf“ (Vgl. Jes 9,1).

Mit Beginn des „hohen Advents“ am 17. Dezember nimmt die gesamte Liturgie das Geheimnis der Geburt Jesu in den Blick, sodass ab diesem Datum keine Roratemesse mehr gefeiert wird. An deren Stelle treten dann die „O-Antiphonen“, in denen die Sehnsucht des Volkes nach dem Kommen des Heilands zum Ausdruck gebracht wird.


Pfr. Sascha Jung