Schwester Hermania Schrauth hat sich an den letzten beiden Schultagen bewegt von der Schulgemeinde der Limburger Marienschule verabschiedet. Die 82-jährige Ordensfrau verlässt nach 46 Jahren die Marienschule und den Konvent in der Frankfurter Straße, der von den Armen Dienstmägden Jesu Christi aufgelöst wird. Zusammen mit Schwester Arngard, die im medizinischen Dienst aktiv war, zieht sie ins Mutterhaus des Ordens nach Dernbach im Westerwald. Damit endet eine fast 120jährige Tradition – an der Marienschule sind ab dem kommenden Schuljahr keine Schwestern mehr tätig.

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Einen kurzen Fußweg durch die Limburger Innenstadt hat es für Schwester Hermania Schrauth nie gegeben. Wenn sie in der Fußgängerzone unterwegs war, ist sie immer wieder herzlich gegrüßt und freundlich angesprochen worden. Denn viele Kernstädter kennen die agile 82-Jährige noch aus ihrer Kindheit: Die Erzieherin hat fast 30 Jahre lang den Kinderhort am Huttig geleitet – und obwohl sie dort vor achtzehn Jahren verabschiedet wurde, hat sie bis heute niemand von „ihren Kindern", wie sie ihre damaligen Zöglinge liebevoll nennt, vergessen. Das wurde auch bei einer Feierstunde in der Limburger Marienschule deutlich, an der auch etliche ihrer ehemaligen „Kinder" teilnahmen. Angereist war zu der Verabschiedung aber auch die Führungsspitze des Dernbacher Ordens unter Leitung von Generaloberin Schwester Gonzalo und Provinzoberin Schwester Simone.

Publikum
Schulleiterin Dr. Henrike Zilling bezeichnete Schwester Hermania als „gute Seele" der Marienschule und hob insbesondere ihr Wirken als Erzieherin hervor, das sie bis heute präge: „Schwester Hermania war mit Leib und Seele Erzieherin. Sie verstand es, die Fähigkeiten der Kinder zu fördern und sie zu verantwortlichem Tun anzuleiten." Sie habe Eltern und Kindern Wohlwollen und Achtung entgegengebracht, so die Schulleiterin. „Vielleicht ist es gut für Sie zu wissen, dass Sie einen großen Gedächtnisstein in der Marienschule hinterlassen werden", schloss Dr. Zilling ihre Rede.

Sr. Simone
Provinzoberin Schwester Simone Weber betonte, dass mit der Schließung des Konvents an der Marienschule eine fast 120-jährige Tradition zu Ende gehe. Dennoch bleibe der Orden mit zwei Schwestern im Priesterseminar vertreten – und die Marienschule sowie deren Schulgemeinde werde immer in den Herzen und Gebeten der Dernbacher Schwestern präsent sein.
Schwester Hermania verabschiedete sich von der Schulgemeinde bei einem Gottesdienst am Vormittag im Limburger Dom mit dem Versprechen, dass sie die Schule auch zukünftig besuchen werde und sich immer Zeit für eine Begegnung mit Schülerschaft oder Kollegium nehmen werde.

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Kurzvita Schwester Hermania Schrauth
Geboren wurde sie am 10. Januar 1932 unter ihrem Namen Regina Schrauth in Villmar als Tochter eines Metzgermeisters. Damals dachte noch niemand daran, dass aus ihr einmal eine Dernbacher Schwester wird. Sie selbst erzählt immer wieder gerne, dass sie noch im Jahr vor ihrem Eintritt in den Orden auf Kirmes-Veranstaltungen in der Region getanzt habe. Doch bereits in ihrer Villmarer Volksschulzeit hatte sie im Rahmen einer Missionswoche in der Pfarrgemeinde erste Kloster-Kontakte geknüpft. Diese Gedanken schob sie jedoch noch einige Zeit beiseite – bis es zu einer Begegnung mit zwei Schwestern kam, die ihr Leben verändern sollte, wie sie rückblickend erzählt: „Die Schwestern beeindruckten mich durch ihre Jugend und Schönheit. Unwillkürlich denkt man dann: Und so jemand geht ins Kloster." Bevor Regina Schrauth dorthin ging, führte ihr Weg zunächst ins Villmarer Schwesternhaus – wenn auch zunächst heimlich, wie die 82-Jährige berichtet: „Zunächst hatte ich keinen Wert darauf gelegt, dass meine vermehrten Wege zu den Schwestern bekannt wurden. So nahm ich den Weg über die Friedhofsmauer hinter dem Gebäude." Doch damit war mit dem Beginn des Noviziats 1951 Schluss. Drei Jahren später legte sie entsprechend der Ordenstradition in Dernbach ihr Gelübde ab und begann unmittelbar danach mit der Ausbildung zur Erzieherin. Nach dem erfolgreich bestandenen Examen am 7. März 1957 verließ die Schwester ihre lieb gewonnene Heimat für mehr als zehn Jahre. In verschiedenen Kindergärten und Horteinrichtungen der Armen Dienstmägde Jesu Christi arbeitete sie in dieser Zeit in leitender Position – der Weg führte sie nach Schwanheim (1957-63), Rüdesheim (1964-1967) und Mendig (1967-1968). Als 1968 die Stelle der Leiterin des Limburger Hortes zu besetzen war, fiel die Wahl sofort auf Schwester Hermania. 28 Jahre lang engagierte sich die Ordensfrau leidenschaftlich für die Hort-Kinder – ein Engagement, von dem auch die Marienschule profitierte. Denn dort unterrichtete sie mehr als 20 Jahre lang das Fach Religion in einer Art, von der ihre ehemaligen Schülerinnen noch heute schwärmen. In der Schule war Schwester Hermania zuletzt als Leiterin der Schülerbücherei aktiv – und für die Kapelle der Marienschule zuständig. (Fotos: Lea Velthuysen/ Fd)