Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung, die der Frankfurter Fotograf Rafael Herlich derzeit in der Mensa der Limburger Marienschule zeigt. Insgesamt 50 Farbbilder spiegeln das jüdische Leben in Deutschland aus den letzten 30 Jahren wider. Zu sehen sind Bilder, die den jüdischen Alltag, ihre Traditionen und Bräuche, aber auch ihre Vielfalt zeigen und zum Nachdenken anregen.

Rafael Herlich wurde 1954 in Tel Aviv geboren. Nach seiner Ausbildung zum Fotografen in Israel, ging der Künstler nach Deutschland, um seinen Vater kennenzulernen, der die Familie verlassen hatte, als Herlich ein Jahr alt gewesen war. Er verließ damals Israel und ging nach Deutschland, weil das Land, in dem 11 Mitglieder seiner Familie nur aufgrund ihres jüdischen Glaubens ermordet wurden, ihn nicht losließ. Rafael Herlich blieb bei seinem Vater und begann 1975 seine berufliche Karriere in Deutschland. Er machte es sich zur Aufgabe, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, aber auch gleichzeitig zu fordern, dass dem einzelnen Menschen und seiner Religion Respekt und Verständnis entgegengebracht wird.

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Als erste Gruppe besuchte ein Oberstufen-Religionskurs, geleitet von Jutta Renner, die Ausstellung und ließ am Anfang die Bilder auf sich wirken, wobei das Lied „Schma Israel“, das ein zentraler Bestandteil des täglichen jüdischen Gebets ist, gespielt wurde. Die Schülerinnen waren beeindruckt und überrascht von der Fröhlichkeit der Bilder und ihrer Tiefsinnigkeit. Der Künstler erklärte sein Anliegen, das Gute in den Menschen hervorzuheben und auf Fotografien abzubilden. Als Beispiel nannte er den Aussteiger, das Bild eines ehemaligen Nationalsozialisten, der jüdischen Jugendlichen Rede und Antwort zu seiner damaligen Sichtweise steht.

Mit jedem Bild klammere Rafael Herlich die schrecklichen Ereignisse der nationalsozialistischen Zeit nicht aus, aber lenke den Blick auf Alltägliches, auf Selbstverständliches und vor allem auf die Zukunft, fasste der stellvertretende Schulleiter Dr. Hans Paul Breunig die Bestrebung des Künstlers zusammen. Auch ihm habe das Projekt „Jüdisches Leben in Deutschland“ viele Denkanstöße für ein neues Bewusstsein gegeben.

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Schulleiterin Dr. Henrike Zilling konnte Dr. Breunig nur zustimmen und betonte: „Es ist wichtig, dass die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät und dass die Nachkommen die oral history weiterführen und erzählen, was damals geschehen ist.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. November in der Mensa der Marienschule zu sehen.Wir danken Herrn Dani Lewin von der Firma Danfol, der durch die freundliche Unterstützung diese Ausstellung ermöglicht hat. (Kim Haney/ Fd)